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Und plötzlich steht die Angst kopf

Besser mit Angst leben

Diesmal möchte ich dir von einem sehr persönlichen Erlebnis mit meiner Angst erzählen, das viel für mich verändert hat. Es war einer dieser Momente, in denen sich die Welt plötzlich auf den Kopf stellt, einem schwindelig wird – und dann zeigt sich: Die Welt stand eigentlich vorher verkehrt herum. Jetzt ist alles so, wie es schon immer hätte sein sollen.

Aber komm einfach mit und vielleicht kannst du spüren und nachvollziehen, was sich in mir gewandelt hat und daraus für dich selbst etwas mitnehmen. Wir drehen eine Runde durch den Wald und werden ihn anders verlassen, als wir hinein gegangen sind.

Die Angst, das Monster

Beim Aufbrechen hatte ich einen Knoten im Bauch. Ich bin ein Mensch, der sich vor manchen Dingen leicht fürchtet, denn ich bin ohne großes Vertrauen in andere Menschen groß geworden, hatte wenig Sicherheit. Andere Menschen, die mir aggressiv begegnen, machen mir Angst. Auch wenn ich eigentlich gar keine haben müsste. Trotzdem löst mein inneres Alarmsystem gründlich aus und – ich habe es immer gehasst Angst zu haben.

Mir innerlich in die Hosen zu machen, mit zitternden Beinen dazusitzen und von einem Cocktail aus Stresshormonen geflutet zu sein. Eiskalte, feuchte Hände und Füße inklusive. Dabei bin ich eigentlich kein Schisser. Ich trekke alleine durch die Wildnis, erklimme unwegsames Gelände, eigne mir Fertigkeiten einfach durch Versuch und Irrtum an und bin gerne optimistisch. Aber wehe, etwas rührt an meine Angsttrigger.

Die meiste Zeit passiert absolut nichts, was diese Angst auslöst und ich bewege mich sicher und souverän durch mein Leben. Aber vor fast einem Jahr war es einmal wieder so weit: Der Bauch verknotet, der ganze Körper verspannt und wie eingefroren und ich wollte nur eins: Diese blöde, blöde Angst nicht mehr spüren müssen.

Also tat ich, was ich immer tue, wenn ich nicht weiter weiß, eine Lösung suche oder mich einfach entspannen und mit mir selbst verbinden will. Ich ging in den Wald.

Das Angst-Monster verscheuchen

Schon auf dem Weg dorthin wurde mir klar, dass es diesmal nicht so einfach werden würde, mich zu entspannen und irgendwie runterzukommen. In meinem Kopf überschlugen sich die Gedanken, Erinnerungen, mögliche Alternativ-Szenarien und schlimmst mögliche Katastrophen, die sich mit Sicherheit alle gleichzeitig einstellen würden. Selbst als ich den Waldrand erreicht hatte, riss der Gedankenstrom nicht ab und ich schaffte es diesmal kaum, mich auf meinen Atem oder meine Schritte zu fokussieren.

Normalerweise hilft das wunderbar, der Kopf wird von selbst leiser und ich tauche wieder ein in den wirklichen, realen Augenblick, den ich erlebe, kann die Waldluft riechen und freue mich über die Vögel in den Zweigen. Aber diesmal: keine Chance.

Zugegeben, das hat mich fast noch mehr geärgert, als die Angst selbst. Ich wusste doch eigentlich, was zu tun war, aber es ging nicht, egal, wie ich mich anstrengte.

In diesem Moment fiel mir auf – genau das ist der Knackpunkt. Wie sollte ich mich entspannen, wenn ich darauf bestand, mich zu entspannen? Entspannung ist nichts, was man aktiv machen kann. Genauso wenig wie das Einschlafen. Sie nimmt sich ihren Raum, wenn sie die Freiheit hat, ihn sich zu nehmen. Oder auch nicht. Ganz, wie sie will.

Ankämpfen ist zwecklos

Mehr als die Hälfte meiner gut einstündigen Waldrunde lag schon hinter mir. Ich seufzte, ließ die Schultern hängen und dachte resigniert: Gut, dann war die Runde halt für die Katz und hat mir nichts gebracht. Was solls. Immerhin war ich an der frischen Luft.

Vom Blätterrauschen, den Mistkäfern am Wegesrand, den Weinbergschnecken und den Kohlmeisen habe ich diesmal eben nichts mitgekommen, nichts von dem saftigen Grün und der lieblichen Waldluft. Dann halt beim nächsten Mal …

Ich ging weiter, bekam weiterhin wenig mit, der Knoten im Bauch war noch da, mein Blick fokussierte nichts, meine Ohren wollten nichts hören. Nur der Kopf schoß weiter sein Gedankenfeuerwerk ab und zelebrierte einen Weltuntergang nach dem anderen.

Doch allmählich bemerkte ich, wie sich der Schatten, der meine Sinne überdeckte, ein Stück weit lichtete. Ich versuchte nicht mehr, etwas zu tun, ich ließ es einfach nur passieren. So, wie es gerade eben möglich war und so war es auch gut. Und schon trat ich aus dem Wald, vor mir noch zwanzig Minuten über die Felder und durchs Dorf.

Es ging mir besser, ja, aber nicht wirklich gut. Doch da kam mir eine Songzeile in den Sinn, die mich schon fasziniert, seit ich sie zum ersten Mal gehört hatte: „Your soul isn´t inside your body, your body ist inside your soul“ („Deine Seele ist nicht in deinem Körper, dein Körper ist in deiner Seele“). Sie stammt von Melissa Etheridge aus dem Song „be real“. Falls du mal reinhören willst – hier kommst du zum Song bei Youtube.

Von der Falle …

Hm, das hilft mir jetzt aber herzlich wenig weiter, dachte ich, zuckte mit den Schultern und marschierte weiter. Die Angst hält mich gefangen. Ich stecke in diesem Gefängnis und komme nicht aus ihm heraus. Zu allen Seiten sind da diese kalten, gemeinen Gitterstäbe, die mich kaum bewegen lassen. Ja, fast kommt es mir vor, als würden sie mich zerquetschen wollen, als würden sie immer näher kommen, mir noch meinen letzten Spielraum klauen.

Meine Nerven, die sich eben etwas beruhigt hatten, flatterten wieder. Ich war eingesperrt, konnte kämpfen, hadern und dagegen sein, wie ich wollte – die Gitterstäbe gingen einfach nicht weg. Beknacktes Schicksal, beknackte Welt – ich war einfach ausgeliefert und hatte halt die A-Karte gezogen.

Vor meinem inneren Auge sah ich diese Gitterstäbe förmlich, wie sie mich umzingelten, kalt, dick und unzerstörbar. Sie wurden enger und enger und enger – und plötzlich geschah etwas. Meine Wahrnehmung verschob sich, meine Perspektive drehte sich und mir wurde tatsächlich etwas komisch. Aber dann bemerkte ich, was passiert war.

Ich rüttelte an diesen Stäben, ja, ich wollte raus. Aber – jetzt kommts – ich war eigentlich die ganze Zeit außerhalb dieser Stäbe gewesen. Ich hatte es nur niemals sehen können, weil ich so dicht davor stand, mich so darauf fokussierte, darin eingesperrt zu sein und sie loswerden zu müssen, dass ich für eine andere Sicht gar nicht zugänglich war. Aber jetzt sah ich es klar: Ich saß nicht in der Angst gefangen – die Angst saß in mir.

… in die Freiheit

Um mich herum war alles offen und frei, alles möglich und alles okay. Diese Beklemmung, die Furcht, die Gedanken – sie waren real, ja. Sie machten mir zu schaffen und ich musste irgendwie mit ihnen leben, weil es sie nun mal gab. Aber sie waren niemals eine Grenze nach draußen. Sie benahmen sich nur so. Sie machten es mich glauben.

Aber das ganze Theater, inklusive immer dramatischer werdenden Horrorszenarien fand in mir selbst statt. Ich hatte also Spielraum. Und bei näherer Betrachtung fiel mir auf: Diese Gitter, an denen ich gerüttelt hatte, die ich so dringend weghaben wollte, schrumpften. War es mir grade noch so vorgekommen, als füllten sie mich vollständig aus, ließen für nichts anderes mehr Raum, entdeckte ich jetzt, dass es umso mehr Raum ringsum gab, je mehr ich mich in mir umschaute.

Ich ließ die Gitterstäbe los. Warum hätte ich mich auch weiter an sie klammern sollen? Da war so viel mehr: meine Lebensfreude, mein Mut, mein Optimismus, meine Abenteuerlust, mein Humor, meine Liebe und so unendlich viel mehr, für das es gar keine Worte gibt. Und ja, auch die Angst. Die Angst, die immer mal wieder Hallo sagt, wenn sie sich gerufen fühlt.

Plötzlich war da Frieden und mir fiel auf, dass die Sonne über mir schien, dass Wespen ihr Nest in ein Erdloch gebaut hatten und wie groß und weit die Welt um mich herum war.

Meine Angst konnte mich nur einsperren, so lange ich sie umklammert hielt, ihr glaubte, dass sie mein Gefängnis wäre und ich ihr irgendwie entkommen musste, um wirklich frei zu sein. Aber das war ein Irrtum.

Die Angst darf bleiben – und ich darf leben

Ich wusste, sie würde bei mir bleiben, denn sie gehört ja zu mir. Angst ist etwas völlig Normales, wie jede andere Empfindung. Aber auch wenn sie sich manchmal übermächtig aufbäumt und so tut, als wäre sie größer als ich, die Wahrheit ist: Ich bin nicht in meiner Angst, die Angst ist in mir. Und das wiederum erlaubt es mir, sie kommen und auch wieder gehen zu lassen, ohne gegen sie zu kämpfen. Ich kann sie wahrnehmen, sie fühlen, mir bewusst machen, was sie ausgelöst hat und welche Handlungsmuster sie in mir aktiviert. Und dann habe ich immer die Wahl, was ich tun möchte. Und ob ich aus dem Gefängnis nach draußen schauen will, oder es von außen betrachten.

Als ich nachhause kam, war die Angst nicht weg. Ich konnte sie immer noch spüren. Aber sie war nicht mehr aufgeplustert und mächtig, sondern einfach ein Alarmsignal, das mich bat, gut auf mich aufzupassen. Und ganz ehrlich: Das ist doch völlig in Ordnung. Die Angst hat sich einfach Sorgen um mich gemacht. Weil ich die Erfahrung gemacht habe, dass Situationen eskalieren können und Menschen verbal und körperlich gewalttätig werden können. Auch, wenn es rational dafür weder Grund noch Rechtfertigung gibt. Es ist gut, das nicht außer Acht zu lassen. Und es ist wichtig, für die eigene Sicherheit zu sorgen und sich auch in sichere Bereiche zurückzuziehen, wenn es gefährlich wird. Nichts davon ist peinlich oder dumm oder ein Zeichen von Schwäche. Ganz im Gegenteil.

Seither ist fast ein Jahr vergangen und ich hatte heute das Bedürfnis davon zu erzählen, weil sich dieser Auslöser bei mir erneut gemeldet hat. Und ja, ich spüre die Angst. Sie ist da und sie ist deutlich. Aber sie ist okay, ich bin okay. Ich bin zugleich sicher, frei und optimistisch. Dass das möglich ist, hätte ich nicht für möglich gehalten. Ich musste dafür gar nicht in den Wald gehen, keine bewussten Übungen machen, keine innere Arbeit. Einfach, weil ich jeden Tag achtsam in Kontakt mit mir selbst bin, immer genauer auf meine innere Stimme höre, meine eigene Energie achte und, ja, gelernt habe, dass mich nur gefangen halten kann, was ich für übermächtig halte. Und damit habe ich in jedem Moment die Wahl.

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Karin Pelka

Hallo, liebe Suchende, mein Name ist Karin Pelka und ich weiß, wie es ist, im Dunkeln zu stehen, nicht zu wissen, ob ich meiner Sehnsucht vertrauen kann. Lange genug bin ich umher geirrt und habe mich oft selbst verraten, falsche Kompromisse gemacht. Auf eigene Faust ins Licht zu finden, das geht, denn irgendwann habe verstanden, was mich ruft – aber es ist mühsam und oft eine sehr einsame Angelegenheit.

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