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Die Bettlerin vor der Tür

um liebe betteln

Ich möchte ein Bild mit dir teilen, das sich mir in solcher Deutlichkeit gezeigt hat, dass ich erst einmal drei Schritte zurückgehen musste, um es ganz zu begreifen. Seit ich mich mehr und mehr auf meine eigene Tiefe einlasse und bereit bin, wirklich hinzuschauen, passiert es mir immer öfter, dass sich für einen Moment ein klares Bild zeigt, dass meine Situation oder einen Zusammenhang schlicht auf den Punkt bringt. Manchmal erschrecken mich diese Momente, aber immer bergen sie ein großes Geschenk, das mir hilft, weiter zu sehen und mehr zu mir selbst zu werden. Vielleicht kennst du Ähnliches? Vielleicht sind es bei dir keine Bilder, sondern eine Stimme, vielleicht bemerkst du, dass du dich plötzlich anders anfühlst? Oder dein nach außen gerichteter Blick nimmt mit einem Mal eine ganz andere Perspektive wahr?

Das ist ein unglaublich spannender Prozess, der mich sehr bereichert – und mir nebenbei immer wieder neuen Stoff liefert, den ich am liebsten sofort mit dir teilen möchte. Da helfen dann auch alle Content-Pläne und Veröffentlichungsintervalle nichts 😉

Deshalb gibt es hier heute einen etwas persönlicheren Text. Ich hoffe, er ist dir hilfreich.

Du möchtest jemandem gefallen, möchtest jemanden beeindrucken, wünschst dir, lieb gehabt zu werden oder ein Kompliment zu hören. Oder zumindest irgendetwas, was deinen Wert, den du für den anderen hast, bestätigen könnte. Aber dummerweise passiert das nicht. Oder zumindest nicht an der Stelle, wo du es gerne hättest und vielleicht auch ganz schön nötig zwischendurch mal bräuchtest. Ich jedenfalls kenne das ziemlich gut. Vor allem Menschen, die immer stark sind, immer einfach machen und selten in aller Hilflosigkeit um Aufmerksamkeit betteln, passiert es leicht, übersehen zu werden, wenn es um Zuwendung geht.
Und ja, natürlich bin ich stark, hart im Nehmen. Ich schleppe klaglos Zementsäcke und den Holzvorrat. Notfalls verputze ich auch Wände, hacke Holz und grabe tiefer in die steinige Erde, als ich hoch bin, um Fundamente trocken zu legen. Ich bin kein Jammerlappen und bettle nicht. Nicht ich. Dachte ich zumindest.

Das Gefühl, nicht ganz dazu zu gehören, folgt mir schon, seit ich denken kann, wie mein eigener Schatten. Es ist latent immer da gewesen, so sehr, dass ich es lange für mein eigentliches Wesen gehalten habe. Und es noch länger gar nicht als etwas bemerkt habe, das ich überhaupt in Frage stellen könnte. Es war eben so. Und es gab auch immer gute Gründe, warum dieses Gefühl eben da war. Da war die Herkunftsfamilie, in der ich am willkommensten war, als ich ausgezogen bin. Da waren vergangene Beziehungen, die am Ende darauf hinausliefen, dass ich nicht so war, wie ich hätte sein sollen. Und da waren so viele Erfahrungen, Momente, in denen ich mir die Welt betrachtete, wie ich sie durch meine eigenen Augen sah und die Dinge überhaupt nicht in Ordnung fand, während scheinbar alle anderen gar kein Problem mit irgendwas hatten.

Ja, so ist das eben, wenn man nicht dazugehört. Wenn man nicht ist, wie man gerne gehabt werden würde und vielleicht noch ein etwas spezielleres Verständnis von richtig und falsch mit im Gepäck hat. Dann geht man oft allein und findet nur in wenigen Menschen Seelenverwandte, die dafür unendlich kostbar sind und immer im Herzen bleiben.

Meine Unabhängigkeit, die Tatsache, dass ich gut für mich alleine stehen kann und wenig von außen brauche, um meinen Weg zu gehen, habe ich immer hoch geschätzt.

Doch da war immer wieder dieses Sehnen. Dieser eine Wunsch: Angenommen und geliebt zu werden. Obwohl ich nicht bettle, mich nicht klein mache und nicht hilflos bin. Dieses Sehnen in der Brust kam und ging, wie die Gezeiten. Es war auch immer da, wie mein Du-gehörst-nicht-dazu-Schatten. Oft über lange Strecken unsichtbar, dann wieder mit Macht zurück. Unberechenbar, wann es kommen würde und wann es wieder verschwand. Natürlich stand ich da irgendwie drüber. Sobald es wieder weg war. War es da, begrub es mich unter sich, wie eine Tsunami-Welle und riss mich mit hinaus ins offene Meer. Aber hey, ich konnte ja schwimmen. Ich wurde im Lauf der Zeit eine verdammt gute Schwimmerin.

Und dann, mitten in eine dieser Wellen schob sich das Bild, das etwas in mir veränderte. Es kam leise, undramatisch, aber völlig klar.

Da war eine Bettlerin. In Lumpen gehüllt und auf den Knien rutschend. Vor einem hölzernen, von Eisenbeschlägen gehaltenen Tor. Ich war diese Bettlerin, ich fühlte unter meinen Fingern die tiefen Furchen der Maserung. Ich fühlte, wie ich daran kratzte und kraftlos gegen die Tür pochte. Und dann hob ich meinen Blick. Über mir wuchs die Tür, hoch und höher. So hoch, dass sie im Himmel verschwand. Eine gigantische Tür, an die ich klopfte und vor der ich offensichtlich schon verdammt lange hockte, und um Einlass bat. Oder nicht bat. Denn vielleicht hörte auch einfach nur niemand mein zaghaftes Klopfen und Kratzen.
Hinter dieser Tür, hinter den steinernen Mauern, in die sie eingelassen war, lag die großartigste Stadt, die man sich vorstellen kann. Da war ein Palast mit goldenen Dächern, es gab Bäder, Essen, Trinken, herzliche Menschen und so viele Schätze, die ich mir nicht einmal vorstellen konnte, so großartig waren sie. Draußen vor der Tür konnte ich das alles nicht sehen, aber ich wusste sehr genau, was sich innerhalb der Mauern und außerhalb meiner Reichweite befand. Ich wusste es, mit absoluter Klarheit. Und ja, ich wollte da rein. Ich wollte dazu gehören und mitmachen bei den rauschenden Festen, wollte Spaß haben, tanzen, lachen.

Und dann kam, was mir häufig zu einem klaren Bild dazu kommt: Ein klarer, weicher Satz, aus einer Quelle jenseits des üblichen Kopfgequassels.

„Ich bin die Bettlerin vor meiner eigenen Tür.“

Ja, genau das. Ich weiß gar nicht, wie lange ich vor dieser Tür gestanden bin, wie oft ich getrommelt habe, dagegen getreten, die Arme verschränkt und ihr den Rücken zugekehrt habe. Wie oft ich weg gestapft bin mit der bitteren Beteuerung im Herzen, dass ich da eh nie rein wollte, weil all der Überfluss und das Glücklichsein da drinnen stinkt. Und doch wieder zurück geschlichen kam, um zu lauschen, um vielleicht doch nochmal zu versuchen … nein, ich nicht. Ich bettle nicht um irgendwas. Schon gar nicht um Liebe, um Fülle und Glück. Weil. Weil das eben nichts für mich ist.

Ja, da war auch spontan dieses Aber, das sich gerne mal mit erhobenen Zeigefinger meldet. Auch diesmal hatte es gute Einwände im Gepäck, einen ganzen Sack voll sogar: Ich habe doch längst gelernt, mich selbst zu lieben, bin mir so viel näher, habe gelernt, gut auf mich zu achten und meine Grenzen zu wahren. Ich weiß, wie es geht, meinen Geist zu beruhigen, in einen entspannten Flow zu kommen, und ich verstehe mich längst gut genug, um mir zu geben, was ich brauche.

Zugegeben, dieser Du-gehörst-nicht-dazu-Schatten ist zwar blasser geworden, aber ich schleppe ihn immer noch mit. Und auch das sehnsüchtige Ziehen in der Brust meldet sich immer mal wieder. Längst nicht mehr so häufig und oft auch nicht so vehement, aber es ist noch da. Was mache ich denn falsch, dass ich wie die Bettlerin vor meiner eigenen Tür stehe und um Einlass flehen muss?

Oder anders gesagt: Wenn ich die Bettlerin vor meiner eigenen Tür bin, dann gehört die Stadt dahinter auch zu mir. Wenn das da innen, innerhalb der gigantischen Stadtmauer meines ist, wenn das mein Palast, meine Stadt, meine Reichtümer, meine Besonderheiten sind – welche sind das überhaupt? Und warum, zum Henker, lasse ich mich da nicht einfach rein?

Zu welchen meiner Schätze habe ich mir selbst den Zugang verwehrt, mich selbst davon abgetrennt und mir nicht erlaubt, sie auszuschöpfen – oder überhaupt mit ihnen in Verbindung zu treten. Denn ich bin nicht nur die Bettlerin in meinem klaren Bild. Ich bin nicht nur das Königreich dahinter, ich bin auch die Tür und die Mauer, die all das gefangen halten. Die es schützen, einerseits, ja, aber die es auch abschotten. Sie lassen nicht nur niemanden rein, sondern auch nichts davon nach draußen dringen.

Es geht auch darum, mir zuerst selbst den Zugang zu dem zu gewähren, das ich so vermisse – bevor ich es im Außen überhaupt finden kann.

Auf meinem Weg zu mir selbst bin ich in unheimlich kurzer Zeit sehr tief gekommen, als ich anfing, mich wirklich darauf einzulassen, alles anzunehmen, was kommt, mit jedem Gefühl, jeder Angst und jeder Ungewissheit auf Tuchfühlung zu gehen. Das ist nicht immer super einfach, denn vieles fühlt sich erst einmal nicht besonders schön an. Aber nur so wird möglich, hindurchzugehen und auf der anderen Seite hervorzukommen. Und durch jede trübe Welle, die ich durchquere, finde ich mehr zu dem, was ich bin.

Auch diese Welle lässt mich reifen und tiefer blicken. Sie hat mir eine Aufgabe dagelassen, das spüre ich deutlich. Ich darf jetzt entdecken, was sich innerhalb meiner Mauern befindet, ich darf mir meine Mauern ansehen und mein Tor. Und die Bettlerin davor. Ich darf dieses Bild und das Wissen, das damit verbunden ist, mit mir tragen und daran wachsen. Ich muss nicht alles gleich verstehen und sofort an alles ein Label kleben, auf dem steht, was es ist und wozu es dient. Dass das nicht notwendig ist und oft sogar mehr schadet als nützt, weiß ich bereits. Also lasse ich mir jetzt Zeit. Betrachte mich selbst wie im Vogelflug, umkreise mein Territorium und halte Ausschau nach dem, was ich jetzt erkennen darf.

Gibt es in deinem Leben Dinge, die dich irgendwie verfolgen, die wie ein Schatten an dir kleben oder sich immer wieder schmerzhaft bemerkbar machen? Gibt es bei dir Themen, die irgendwie deine eigenen sind, die dich definieren und an deren Grenzen du festhängst, obwohl du gerne darüber hinaus wachsen würdest, weil sie dir zu eng und zu düster sind?

Vielleicht bist auch du eine Bettlerin vor deiner eigenen Tür und hast ungeahnte Schätze, die du vor dir und der Welt versteckst, zu denen du niemanden Zugang gewährst. Nicht einmal dem Teil von dir, der danach dürstet, dorthin zu gelangen?

Ich wollte diesen Artikel eigentlich ganz anders schreiben, meine Einsicht mehr in eine Geschichte verpacken, die du besser miterleben kannst, aber sie hatte definitiv keine Lust darauf, eine Geschichte zu werden. So ist es an dir, sie mitzunehmen und für dich vielleicht eine Geschichte daraus zu machen. Eine Geschichte vom Verstehen, vom genauen Hinsehen und -fühlen und davon, wie du dir selbst den Zutritt zu deinen inneren Schätzen erlaubst.

Was ich schon oft erwähnt habe, hier aber trotzdem noch einmal sagen möchte: Das Wichtigste ist die Geduld mit dir selbst. Eine freundliche, liebevolle Geduld, vielleicht die Geduld einer idealen Mutter mit ihrem Kind. Eine Geduld, die sich mit dir über jeden kleinen Schritt freut, die dich ansieht, als ob sie immer gewusst hätte, dass du das schaffst, aber die nie, niemals Forderungen an dich stellt und etwas von dir verlangt, was jetzt gerade noch nicht an der Reihe ist. Vieles braucht Zeit. Die Seele lebt nach ihrer eigenen Zeitrechnung. Sie passt nicht in Terminkalender und in Content-Pläne. Manchmal fühlt es sich vielleicht wie ein Rückschritt an oder wie endloser Stillstand, während sie heimlich weiter wächst und nur darauf wartet, dir etwas neues zu zeigen.

Es ist ein Weg, der niemals zu Ende gegangen ist. Es gibt immer noch eine Tiefe, noch eine Weite, die darauf wartet, dass du sie erforschst und in sie hineinwächst. Erlaube dir, genau das zu tun, in deinem Tempo. Was immer du in dir trägst, was immer du mitgebracht hast in dieses Leben, um es zu verkörpern – es kommt zu dir, sobald du aufhörst, danach zu jagen und dich stattdessen bereit für alles und nichts zugleich machst.

Ja, das klingt ziemlich dramatisch. Eigentlich ist es eher ein sehr leichtes Gefühl. Ein sanftes Fließen.

Aus diesem Fließen heraus sind Wunder möglich, kleine und große. Hier zeigen sich die Dinge, die du hier und heute wissen solltest, um dich mehr und mehr mit dir selbst zu verbinden.

In diesem Sinne: Ich wünsche dir viele, viele wunderbare Momente der Einsicht, viele Augenblicke des Lichts, das hinter einer trüben Welle auf dich wartet und die Erfahrung, wie viel mehr du bist, als du jetzt für möglich halten magst. Vertraue deiner eigenen Weisheit, sie führt dich heim.

Falls du mehr zum Thema Selbstliebe wissen möchtest, habe ich hier eine Seite eingerichtet, auf der du alles dazu findest!

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Karin Pelka

Hallo, liebe Suchende, mein Name ist Karin Pelka und ich weiß, wie es ist, im Dunkeln zu stehen, nicht zu wissen, ob ich meiner Sehnsucht vertrauen kann. Lange genug bin ich umher geirrt und habe mich oft selbst verraten, falsche Kompromisse gemacht. Auf eigene Faust ins Licht zu finden, das geht, denn irgendwann habe verstanden, was mich ruft – aber es ist mühsam und oft eine sehr einsame Angelegenheit.

Meine Erfahrung und all mein über viele Jahre angehäuftes Wissen über Psychologie, Meditation, innere Arbeit, schamanische Reisen, Imagination, Bewegung und Kreativität fließen hier zusammen und helfen dir, deinen Weg sicher und mutig zu gehen.

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